Legatorium des Ausgleichs

Das Legatorium des Ausgleichs ist eines der acht Legatorien Zemdûs und bildet das zentrale Organ für Recht, innere Ordnung und staatliche Aufsicht. In der Symbathokratie erfüllt es eine doppelte Funktion. Es sichert den inneren Frieden und die Durchsetzbarkeit der synodalen Ordnung, zugleich schützt es die Bevölkerung und die Institutionen vor Machtmissbrauch durch ein ausgebautes Kontrollwesen. Der Begriff „Ausgleich“ verweist dabei nicht nur auf Konfliktlösung, sondern auf das politische Leitmotiv Zemdûs, Gegensätze in eine tragfähige Balance zu bringen, etwa zwischen geistlicher Legitimation und weltlicher Verwaltung, zwischen Freiheit und Ordnung, zwischen Stadtinteressen und Reichsnotwendigkeit.

Geleitet wird das Legatorium vom Legaten des Ausgleichs, der von der Großen Synode ernannt wird. Der Legat besitzt weitreichende Verwaltungs- und Koordinationskompetenzen, hat jedoch keine eigene Gesetzgebungsmacht. Maßgeblich ist stets der Rahmen der Großen Synode und der Tiefe, ergänzt durch anerkannte Ordnungen und Rechtsgewohnheiten, die im Reich als verbindlich gelten.

Auftrag und Selbstverständnis

Das Legatorium versteht sich als Hüter der inneren Stabilität. Es soll Streit nicht nur unterdrücken, sondern so lenken, dass er weder eskaliert noch die Einheit des Reiches gefährdet. In Zemdû ist das besonders bedeutsam, weil die Insellage, die zentrale Rolle der Seefahrt und die kulturell tief verankerte religiöse Ordnung ein hohes Bedürfnis nach verlässlichen Verfahren erzeugen. Das Legatorium wird deshalb weniger als „Strafinstrument“ begriffen, sondern als Institution, die Verfahren garantiert, Zuständigkeiten klärt und Eskalation verhindert.

Zuständigkeitsbereiche

Das Legatorium des Ausgleichs deckt drei große Bereiche ab, die in Zemdû bewusst eng zusammen gedacht werden.

Erstens die Rechtsordnung im Sinne von Justizverwaltung, Rechtsaufsicht, Normensicherung und Verfahrenspflege.

Zweitens die innere Ordnung, also Sicherheit im Inland, öffentliche Ruhe, Schutz kritischer Infrastruktur und Krisenmanagement bei Unruhen, Seuchen oder Versorgungsstörungen.

Drittens die Polizei und Wachdienste innerhalb des Reiches, einschließlich jener Kräfte, die in Hafenstädten, Handelsplätzen und an wichtigen Verkehrswegen eingesetzt werden.

Die äußere Verteidigung und klassische Außenpolitik liegen zwar beim Legatorium der Wacht, dennoch gibt es Berührungspunkte. Sobald ausländische Akteure im Landesinneren tätig werden, wenn Spionage, Schmuggel oder politisch motivierte Gewalt vermutet wird, ist das Legatorium des Ausgleichs zuständig. Gerade in Lezûm, als einziger Hafenstadt, ist diese Schnittstelle besonders relevant, weil dort Handel, Fremde, Warenströme und politische Einflüsse konzentriert auftreten.

Organisation und Ebenen

Zemdûs Staatsaufbau ist stark städtisch geprägt, daher arbeitet das Legatorium in Ebenen. Auf lokaler Ebene wirken Stadt- und Gemeindevorstand, die für Ordnung im Alltag sorgen und lokale Wachen organisieren. Auf der Ebene mehrerer Städte bündeln die Kleinen Synoden Verwaltungsräume und sorgen für koordinierte Maßnahmen, etwa bei überregionalen Verbrechen, bei großen Streitfällen zwischen Gemeinden oder bei der Verteilung von Sicherheitsressourcen.

Auf Reichsebene führt das Legatorium des Ausgleichs die übergreifenden Register, Standards und Weisungen. Es koordiniert Ausbildung, Zuständigkeiten, Informationswege und die Zusammenarbeit mit anderen Legatorien, besonders mit den Legatorien für Zugang, Vorrat, Wacht und Gaben. Wo das Legatorium für Zugang Häfen, Straßen und Bauwerke organisiert, sorgt das Legatorium des Ausgleichs dafür, dass Regeln, Wachdienste und Ermittlungen diese Infrastruktur schützen. Wo das Legatorium des Vorrats Landwirtschaft, Forsten und Umwelt betreut, ist das Legatorium des Ausgleichs zuständig, wenn Ressourcenstreit, Landkonflikte oder Sabotage drohen. Wo das Legatorium der Gaben Finanzen verwaltet, überwacht das Legatorium des Ausgleichs die Rechtmäßigkeit von Erhebung, Verwaltung und Verwendung im Rahmen der geltenden Ordnung.

Ordnungskräfte und Praxis

Die Ordnungskräfte des Legatoriums treten in Zemdû selten als schwer militarisierte Truppe auf. Der militärische Schwerpunkt liegt bei Flotte und Wehrsystem, während die innere Ordnung eher auf Präsenz, Kontrolle, Verfahren und lokale Einbettung setzt. Typisch sind Hafenwachen in Lezûm, Straßenwachen auf Handelsachsen, Ermittlergruppen in größeren Städten und mobile Einheiten, die bei außergewöhnlichen Lagen eingesetzt werden. In den ländlichen Gebieten spielt die Zusammenarbeit mit lokalen Autoritäten eine größere Rolle als permanente Besatzung.

Besonders wichtig ist die Kompetenz im Umgang mit Handel. Zemdûs Wirtschaft hängt stark von maritimen Strömen ab, und kritische Güter wie Teer für den Schiffbau bieten Raum für Schmuggel, Preismanipulation und Einflussnahme. Das Legatorium des Ausgleichs ist daher traditionell geübt im kontrollierten Zugriff auf Warenströme, in der Überwachung von Lagerhäusern und in der rechtlichen Einhegung von Handelskonflikten, ohne den Handel selbst zu ersticken.

Die autonome Revisinsabteilung

Innerhalb des Legatoriums des Ausgleichs ist die autonome Revisionsabteilung verankert. Sie ist keine bloße Unterabteilung, sondern eine institutionell abgesicherte Kontrollinstanz. Ihre Aufgabe ist es, Verfahren zu prüfen, Unregelmäßigkeiten aufzudecken und die Rechtmäßigkeit von Handlungen staatlicher Amtsträger zu bewerten. In der Symbathokratie ist diese Revision ein Kernmechanismus gegen Elitarismus und Machtmissbrauch, weil sie formal in einem Legatorium angesiedelt ist, zugleich aber durch ihre Autonomie dem Zugriff einzelner Amtsinhaber entzogen bleibt. Die autonome Revisionsabteilung ist einzig und allein dem Gesetz und der Tiefe direkt Weisungsbefugt.

Die Revision arbeitet vor allem fallbezogen. Sie prüft Beschwerden, Auffälligkeiten und Vorgänge von besonderer Tragweite, etwa bei Verdacht auf Korruption, Amtsmissbrauch, unrechtmäßige Gewaltanwendung oder systematische Manipulation von Wahlen. Sie dient außerdem als formales Nadelöhr in Verfahren, die das gesamte Reich betreffen, insbesondere im universellen Misstrauenssystem.

Universelles Misstrauensvotum

Zemdû verfügt über das universelle Misstrauensvotum, durch das prinzipiell jeder Amtsträger seines Amtes enthoben werden kann. Das Verfahren gliedert sich in drei Stufen, um politische Stabilität zu wahren und Missbrauch zu verhindern.

Der Prozess beginnt stets mit einer öffentlichen Unterschriftensammlung. Um spontane Kampagnen zu erschweren, gelten Hürden.

Die erforderliche Quote für jegliche Lokalpolitiker liegt zunächst bei 10 % der Bürger, die von dem angeklagten Amt betroffen sind. Scheitert ein Versuch, steigt die Hürde für denselben Amtsträger auf 15 %, anschließend auf 20 % und weiter steigend.

Bei Politiker die in der Staatspolitik arbeiten liegt diese Hürde im ersten Misstrauensvotum bei 3% der Wahlberechtigten Bevölkerung und wächst mit jedem weiteren Antrag auch nur um jeweils 3%.

Bei den Hörenden reicht jedoch bereits ein einziger Antrag aus den eigenen Reihen aus, dass dem Antrag stattgegeben wird.

Wird das Quorum erreicht, erfolgt keine sofortige Abstimmung. Zunächst wird die autonome Revisionsabteilung aktiv. Sie prüft die gegen den Amtsträger erhobenen Vorwürfe auf ihren Wahrheitsgehalt und erstellt ein objektives Gutachten. Dieser Schritt zwingt politische Wut in eine belastbare, faktenbasierte Form.

Basierend auf dem Revisionsbericht entscheidet sich der weitere Weg nach der Art des Amtes:

  • Alle Geistlichen und Weltlichen Ämter, wie Vikare, Vertreter der Synode, und weitere: Es kommt zum Volksentscheid. Eine Absetzung ist gültig, wenn eine Zweidrittelmehrheit der Wähler dafür stimmt.
  • Hörende und Suchende: Da spirituelle Reife nicht durch Mehrheitsentscheid bestimmt wird, dient der Revisionsbericht hier als Beweismittel für ein internes Tribunal innerhalb der Gruppe, das über die Enthebung entscheidet. Einzige Ausnahme dafür ist der Suchende, der als Próto eingesetzt ist. Dieser unterliegt der Regel für Geistliche und Weltliche Ämter.

Dieses System ist gleichzeitig demokratisch und konservierend. Es erlaubt der Bevölkerung realen Zugriff auf Macht, schützt Amtsträger jedoch vor bloßer Willkür. In der Außenwahrnehmung trägt diese Mischung aus harter bürokratischer Kontrolle, religiöser Eigenständigkeit und direkter Volksmacht zur schwer greifbaren Fremdheit des politischen Systems von Zemdû bei.